Heinrich Band

Das Bandoneon ist ein Musikinstrument, welches in Deutschland entwickelt und gebaut wurde. Sein Klang, der durch frei schwingende Metallzungen erzeugt wird, hat schon viele Menschen so verzaubert, dass der Wunsch entstand dieses Instrument zu erlernen. Der Name ‚Bandoneon‘ oder ‚Bandonion‘ geht auf den Krefelder Heinrich Band zurück, der (mit anderen) Mitte des 19.Jahrhunderts die Konzertina so erweitert hat, dass das Spielen aller Tonarten möglich war.

Tango

Das Bandoneon sorgt für den typischen Sound in der argentinischen (südamerikanischen) Tangomusik. Wie es nach Argentinien und Uruguay gelangt ist, wo der Tango schon vorher entstand, ist unklar. Die Legende erzählt von einem Seemann, der sein mitgebrachtes Bandoneon als Bezahlung in einem Bordell lassen musste. Sicher ist aber, dass gerade um 1900 auch viele deutsche Auswanderer nach Argentinien emigrierten, um dort ihr Glück zu suchen. Da das Bandoneon ein in Deutschland viel gespieltes Instrument war, ist es nicht verwunderlich, dass es auch mit in die neue Heimat gebracht wurde. Bald bereicherte es den Tango durch seinen sehnsuchtsvollen Klang, der zu dieser Musik, die ja viel mit Melancholie, Herzschmerz, Sehnsucht zu tun hat, wunderbar passt.

Deutschland

Das Bandoneon gehört neben der Konzertina, dem Akkordeon und der Harmonika zur Familie der Handzuginstrumente. Es entwickelte sich zu einem beliebten Volksmusikinstrument, dass in kleinen Kirchen oder zu Begräbnissen sogar die Orgel ersetzen konnte. Durch ein bestimmtes Zahlen- und Zeichensystem (Wäscheleinensystem) war es auch ohne Notenkenntnis leicht zu erlernen. In Deutschland gab es sehr viele Bandoneon-Orchester. Vor der Hitler-Diktatur sogar mehr als Fußballvereine. Besonders im Bereich der arbeitenden Bevölkerung war das Spielen im Verein sehr beliebt. Da diese Orchester im allgemeinen politisch links orientiert waren, wurden Sie im sogenannten Dritten Reich verboten. Das war das Ende der Popularität des Bandoneons in Deutschland. Nach dem 2.Weltkrieg wurde es hier nur noch sporadisch in der populären Musik verwendet.

Herstellung für Südamerika

Ganz anders in Südamerika, wo der Tango ohne das Bandoneon nicht mehr denkbar war. Dort wurde es weiterhin gespielt und verehrt. Hergestellt wurden die nach Südamerika exportierten Instrumente zum ganz großen Teil in einem kleinen Ort im Erzgebirge: Carlsfeld in Sachsen. Ab ca. 1864 produzierte dort Ernst Louis Arnold (ELA) Harmonikas, Konzertinas und Bandonions. Ab ca.1910 wurde die berühmteste aller Bandonionfabriken gegründet – die Manufaktur Alfred Arnold. Bandoneons von Alfred Arnold wurden berühmt unter dem Namen AA, Doble A, Premier oder Campo. Ihr Klang ist auch heute noch der Referenzklang für alle Bandoneons, die neu gebaut werden. Alfred Arnold und ELA (mit den Exportmarken America und Echo) exportierten zigtausende Bandoneons nach Argentinien und Uruguay. Auch andere kleinere Hersteller stiegen in diesen profitablen Markt ein Meinel & Herold (Tres B), Hohner (Tango und Cardenal gebaut von ELA), Gebr. Meinel. Gefragt in Südamerika war nur das 142 tönige (manchmal auch 152 tönige) Bandoneon in Oktavstimmung, zweichörig und wechseltönig (verschiedene Töne auf Zug oder Druck) in der rheinischen (argentinischen) Tastenanordnung. Das in Deutschland vor allem gespielte 144 (128) tönige Bandonion blieb in Deutschland. Alfred Arnold baute eine moderne Fabrik, in der die angefragten Mengen auch termingerecht produziert werden konnten. Einzelne Produktionslinien wurden immer auch in Heimarbeit gefertigt. Bis 1948 wurden im AA Werk Carlsfeld noch Bandoneons gebaut, danach übernahm ein volkseigener Betrieb das Werk zur Herstellung u.a. von industriellen Bälgen. ELA produzierte noch bis 1950. Die Firma Arno Arnold baute in Obertshausen noch bis 1970 Bandoneons, allerdings waren diese Instrumente bei Tango-Musikern nicht mehr sehr gefragt. Es wurden sehr bald konische Stimmzungen verbaut, die im Klang eher dem Akkordeon ähnelten. Danach war in Deutschland längere Zeit Schluss mit der Herstellung von Bandoneons. Erst in jüngerer Zeit gibt es verschiedene neue Bandoneonmanufakturen in Deutschland (Premier, Klaus Gutjahr – Berlin, Uwe Hartenhauer, Bandonion- und Concertinafabrik – Klingenthal, Robert Wallschläger – Carlsfeld) oder Harry Geuns in Belgien. Den alten Klang des ‚AA‘ zu erreichen ist dabei immer das Ziel.

Klang und System

Typisch für das Bandoneon ist im Ursprung die Wechseltönigkeit, das heißt beim Öffnen des Balges wird auf dem selben Knopf ein anderer Ton erzeugt als beim Zuschieben des Balges. Für das volksmusikalische Akkordspiel ist dies von Vorteil. Im Kernbereich, aus dem sich alles entwickelt hat, ist ein G-Dur im Zudruck von der Griffweise her fast identisch mit einem D7 im Aufzug, ein A-Dur mit einem E7 – das macht durchaus Sinn. Erst durch die zusätzliche Anordnung von immer mehr Knöpfen wurde das Bandoneon zu dem ‚chaotischen‘ Instrument, als das es so gerne verschrien wird. Das Bandonion war am Anfang 56 tönig und relativ logisch aufgebaut, mit 142 oder 152 Tönen war die Logik nur noch in der Kernzone zu bemerken. Später machten sich schlaue Köpfe Gedanken, das Chaos zu bezwingen. Es entstanden gleichtönige Bandoneons in verschiedenen Systemen. Alle mit dem Ziel der leichteren Erlern- und Spielbarkeit.  In Argentinien blieb man aber beim wechseltönigen rheinischen System. Daher ist es das System, das Tangomusiker bevorzugen. Nicht nur deshalb, weil viele viele Noten und Bandoneon-Schulen z.B. mit Fingersätzen auf dieses System bezogen sind.  Auch wurden vom deutschen  Einheitsbandoneon, 144 tönig, nur wenige zweichörige gebaut. Sie waren eher oft drei- und vierchörige, dem Akkordeon nacheifernde Instrumente. Klanglich haben diese nur wenig mit dem gewünschten Tangosound gemein. Auch in der klassischen Musik, die auf dem Bandoneon sehr schön gespielt werden kann, ist ein zweichöriges oktav gestimmtes Instrument viel passender.

Erlernen

Das Bandoneon gilt als schwierig zu erlernendes Instrument. Die Schwierigkeit liegt im Einprägen der vier unterschiedlichen Systeme, rechte Hand Zug und Druck, linke Hand Zug und Druck. Es braucht einige Zeit sich diese beizubringen. Belohnt wird man mit einem außergewöhnlichen Klang, reich an Obertönen, von der Piccoloflöte über die Geige zur Klarinette und dem Kontrabass.

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